Erfahrungsbericht: Miriam Ebbinghaus

Ich bin Miriam, studiere Evangelische Theologie in Heidelberg und habe am 45. Studienjahr (2018/19) teilgenommen.

Für das Studienjahr habe ich mich nach meiner Zwischenprüfung im Sommer 2017 beworben. Dabei habe ich mir besonders viel Zeit für das persönliche Motivationsschreiben genommen, denn es war mir wichtig, authentisch zu bleiben und von mir zu erzählen. Der Form sind dabei fast keine Grenzen gesetzt. Als dann Anfang Februar die Einladung zum Auswahlgespräch kam, war die Freude natürlich groß. Ich hatte ab diesem Zeitpunkt noch etwa drei Monate Zeit für die Vorbereitung auf das Auswahlgespräch beim DAAD in Bonn; die Tage waren meistens gefüllt mit Lernen, aber die Zeit reichte dabei gut aus. Besonders geholfen haben mir Gespräche mit ehemaligen Studienjährler*innen und Professor*innen zu Beginn meiner Vorbereitung.

Danach habe ich selbst überlegt, auf welche Bereiche ich den Fokus legen sollte. So habe ich beispielsweise in AT, NT und biblischer Archäologie nur noch wenig gelernt, da ich durch das Lernen für meine Zwischenprüfung und durch eine Exkursion schon ausreichende Kenntnisse in den Bereichen hatte. Ich musste da also mein Wissen nur noch an einigen Stellen ergänzen.

Anders war es da zum Beispiel beim Themenkomplex der Ostkirchenkunde, in dem meine Vorkenntnisse sehr begrenzt waren. Ich habe versucht, erst ein Grundverständnis für die Geschichte der Ostkirchen zu entwickeln und dann einiges zu den größeren Ostkirchen und zu jenen, die in Jerusalem vertreten sind, gelesen. Ich fand die Internetseite pro-oriente.de durch die übersichtliche Gliederung dafür sehr hilfreich.

Mit den Bereichen Judaistik, Islamwissenschaft, ökumenischer Theologie und der neueren Geschichte des Nahen Ostens hatte ich mich schon im Studium oder aus privatem Interesse beschäftigt, musste da mein Wissen aber noch vertiefen und systematisieren. Dafür habe ich jeweils etwa ein Buch aus der Literaturliste gelesen. Besonders gut verständlich für mich waren der kleine Band zum Judentum von Michael Tilly und Streit um das Heilige Land von Dieter Vieweger.

Bei der Geschichte des Nahen Ostens fand ich es sinnvoll, auch englischsprachige Artikel und Literatur zu lesen, da dieser Teil der Prüfung auf Englisch stattfindet.

Hilfreich war es auch, jeden Tag einige Verse in Hebräisch und Griechisch zu übersetzen und sich zum Ende der Vorbereitungszeit mit Freunden oder Familienangehörigen über die Themen zu unterhalten, um gewisse Dinge formulieren zu können. Bei der Auswahlprüfung wurde natürlich nur ein Bruchteil des Gelernten abgefragt. Außerdem waren nicht alle Fragen konkret auf das bezogen, was ich gelernt hatte. Dadurch, dass ich mich aber so intensiv auf das Gespräch vorbereitet hatte, konnte ich bei fast allen Fragen einen Anknüpfungspunkt finden und eigene Vermutungen anstellen. Die Situation in Bonn war erst einmal befremdlich, weil mir so viele Menschen gegenübersaßen, es war aber schnell nicht mehr unangenehm und auch kein Problem, etwas nicht zu wissen. Nach der Prüfung konnte ich überhaupt nicht einschätzen, ob es gut oder schlecht gelaufen ist. Da es aber bei fast allen, mit denen ich über die Auswahlprüfung gesprochen habe, ähnlich war, habe ich die Sorgen schnell vergessen.

Während der Lehrveranstaltungen im Studienjahr habe ich dann gemerkt, dass das intensive Lernen nicht allein für die Auswahltagung sinnvoll ist, sondern auch im Studienjahr selbst viele Lerninhalte vorausgesetzt werden und es durch mein vorher erworbenes Grundwissen leichter war, den Vorlesungen gewinnbringend zu folgen. Letztlich kann ich hier natürlich nur meine eigenen Erfahrungen teilen und kein Patentrezept für die Vorbereitung der Auswahltagung ausstellen, da jede*r eigene Strategien dafür entwickeln muss. Wichtig ist es, sich von der Fülle an Lerninhalten nicht verrück machen zu lassen, sondern anhand der eigenen Stärken und Schwächen einen guten Plan aufzustellen und sich nicht entmutigen zu lassen. Ich wünsche allen von euch viel Erfolg bei den Vorbereitungen. Es lohnt sich!